"Bau- und Konstruktionsgeschichte der barocken Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach"

Projektleiter: Prof. Dr. Philip S. C. Caston

Projektmitarbeiterin: Dipl.-Arch. (ETHZürich) Ursula Huber

Photo: Kernpentagon der Festung Rosenberg aus der Luft

Abb. 1

Für die staatliche Denkmalpflege ist der Umgang mit historischen Wallmauern besonders problematisch, denn weder Untersuchungsmethoden noch Wissen über die historischen Bauweisen sind bislang ausreichend geklärt. Diese sind aber notwendig, um das historische Erbe zu erhalten. Circa 200 historische Wallmaueranlagen sind in Deutschland als Festungs- oder Stadtmauern noch erhalten, viele davon in ruinösem Zustand. An den Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach soll exemplarisch die Konstruktion untersucht werden, da sie in verschiedenen Konstruktionsweisen errichtet wurden.

Die ca. 100 jährige Bauzeit (ca. 1656 - 1750, Abb. 1), sowie die besondere topographische Lage (an einem Bergsporn) verursachten eine außergewöhnliche Vielfalt an konstruktiven Lösungen und zeitgenössischen Reparaturen, die heute zu verschiedenen Erhaltungszustände geführt haben. So sind manche Mauerabschnitte als einfache Felskernverkleidung ausgebildet, andere dagegen wurden als bis zu 25m hohes freistehendes zweischaliges Quadermauerwerk mit verschiedenen Hinterfüllungen und innerem Gangsystem errichtet.

Die Entschlüsselung der Konstruktion der Wallmauern in Kronach ist Ziel des Vorhabens, dessen Ergebnisse auf anderen Wallmauern übertragbar seien und daher eine praktische Umsetzung in der Denkmalpflege finden sollen. Die Entwicklung der Bautechnik soll aufgezeigt und die Gründe für die unterschiedlichen Erhaltungszustände festgestellt werden.

Die Baugeschichte der Wallmauern ist in großen Zügen bekannt (siehe hierzu: Werrlein 1994 und Fehn 1972). Aus fortifikatorischen Gründen wurde es nötig, im 17. Jahrhundert eine neue Wehranlage um die alte mittelalterliche Burganlage zu errichten (Abb. 1). Zuerst wurden Erd- und Holzbastionen errichtet und es entstand eine mehrseitige Mauer-/Grabanlage, die nur in historischen Abbildungen überkommen ist.

Trotz erfolgreicher Abwehr des Feindes im 30 jährigen Krieg fing man im Jahr 1656 mit der Konstruktion des heutigen Kernpentagons an. Zuerst wurde mit Bastion 2 begonnen, der Grundstein im Juni 1656 gelegt und der Bau innerhalb von 2 Jahren 1658 vollendet. Ein Jahr später, im April 1659 wurde der Grundstein für Bastion 4 gelegt, der 1663 immer noch im Bau war. In dieser Zeit wurde ebenfalls Bastion 3 errichtet, die aber aus unbekannten Gründen einstürzte und 1699 ergänzt werden mußte. Somit war die Hauptangriffsseite im Norden innerhalb von acht Jahren mit einer neuen Verteidigungstechnologie ausgebaut.

Gleichzeitig hatte man im Süden, an der der Stadt zugewandten Seite der Festung mit dem Tor begonnen. Neben dem Verteidigungszweck war auch die repräsentative Wirkung der Festung auf die Stadt von großer Bedeutung. Erst ein Jahr später im Oktober 1663 wurde mit Bastion 1 begonnen. Bevor man mit dem Bau von Bastion 5 beginnen konnte, stürzte die Südface von Bastion 4 im März 1668 ein. Mangelnde Kenntnis oder Einschätzung der zerstörerischen Kraft des ansammelnden Regenwassers im Inneren der Wallmauern verursachte den Einsturz. Schon vor der Erneuerung von Bastion 4 im Jahr 1693 durch ein ausgeklügeltem Entwässerungssystem schloß man die Lücke des Kernpentagons mit Bastion 5, die 1689 vollendet wurde.

Erst ein halbes Jahrhundert später, wurde unter der Leitung des berühmten barocken Baumeisters Balthasar Neumann das Kernpentagon durch weitere Vorwerke im Norden verstärkt. 1741 bis 1743 errichtete man die Contregarde Carl. Die verschiedene Bauzeiten sind sowohl in der veränderten Mauertechnik als auch in der Architektur zu erkennen. Zehn Jahre später wurden unter der Leitung von Johann Jacob Küchel beidseits des Contregardes weitere Verteidigungseinrichtungen und Graben gebaut - Ravelin Anton und Waffenplatz Philipp. Zum Schluß wurde Waffenplatz 8 in ähnlicher Konstruktionsweise östlich von Ravelin Anton errichtet.


Veröffentlichungen des Projektleiters zum Thema:

Verschollen im Kriegsarchiv! In: 1000 Jahre Kronach, Nr. 23, Kronach 1999 (S. 5ff.).

Die erste bastionäre Verteidigungsanlage der Festung Rosenberg. In: 1000 Jahre Kronach, Nr. 25, Kronach 1999 (S. 6ff.).

Eine Untersuchung an der Festung Rosenberg, Teil 1. In: 1000 Jahre Kronach, Nr. 27, Kronach 2000 (S. 28ff.).

Eine Untersuchung an der Festung Rosenberg, Teil 2. In: 1000 Jahre Kronach, Nr. 28, Kronach 2001 (S. 28ff.).

Die Festung Rosenberg als virtuelles Modell. In: 1000 Jahre Kronach, Nr. 29/30, Kronach 2001 (S. 28ff.).

Die Wallmauern der Festung Rosenberg, Kronach. In: Koldewey-Gesellschaft - Bericht über die 41. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung, Bonn 2002 (S. 113ff.).

Eine Georadaruntersuchung an den Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach. In: 1000 Jahre Kronach, Nr. 34, Kronach 2003.

Die Wallmauern der Festung Rosenberg - Zum Stand der Forschung. In: Historisches Stadtlesebuch - Kronach, 1000 Jahre Geschichte einer Stadt und Ihrer Bewohner, Kronach 2003 (S. 520ff.).

Eine Sondage an der Nordseite von Ravelin Anton der Festung Rosenberg im Sommer 2002. In: Festungsjournal - Zeitschrift der DGF, Heft 22, 2004 (S. 9ff.).

Festung Rosenberg unter der Lupe. In: 1000 Jahre Kronach, Nr. 36, Kronach 2005 (S. 22ff).

Die Wallmauern der Festung Rosenberg - Stand der Forschung. In: Rätselhafte Wallmauern - Tagungsband der Tagung am 18./19. Juni 2004 in Kronach, Kronach 2007.

Das digitale Pentagon. In: DFG (Hrsg.): "forschung", Band 1/2008, Weinheim 2008 (S. 4ff).

(Mit Ursula Huber zusammen) Die Erforschung der barocken Wallmauern der Festung Rosenberg in Kronach - Bericht eines aktuellen Forschungsprojektes In: Flachenecker, H. u. a. (Hrsg.): Burg – Schloss – Festung, Der Marienberg im Wandel, Würzburg 2009, S. 183-215.

The Pentagon Ramparts and Bastions of Fortress Rosenberg in Kronach, Germany. In: Carvais, Robert, u.a. (Hrsg.): Nuts & Bolts of Construction History, Vol. 3., Paris 2012, S. 37-44.


Das Vorhaben wurde am 04.10.2001 und 03.07.2004 bewilligt. Laufzeit: insg. 5 Jahre.


Stand der Untersuchungen

a) Januar 2002 - November 2002:


Kartierung von Steinmetzzeichen



Festung Rosenberg, Kronach
1. Beispiel eines Steinmetzzeichens.

2. Tabelle mit den Arten der Steinmetzzeichen.

Festung Rosenberg, Kronach
3. Verteilung der Steinmetzzeichen am Bastion IV.

4. 3D-Datenbank der gesammelten Steinmetzzeichen.

b) April 2002:

Georadar untersuchung der Wallmauern

Festung Rosenberg, Kronach
1. Einsatz der 500 Hz Antenne.

2. Georadar - Radargramme.

Festung Rosenberg, Kronach
3. Geophysik - Schnitt durch Ravelin Anton.

4. Geophysik - Datalogger.



c) September 2002:

Abbau eines Teils der Nordseite von Ravelin Anton

Festung Rosenberg, Kronach
1. Die Baustelle am 09. Sept. 2002, 09:00 Uhr.

2. Abbau der unteren Quader.

Festung Rosenberg, Kronach
3. Die Fundamente werden freigelegt.

4. Die Baustelle nach dem Abbau.



d) Mai 2003 - Juni 2004:

Bauaufnahme der Wallmauern

Festung Rosenberg, Kronach
1. Die Bauaufnahme erfolgt wie immer vor Ort.

2. Um Millimeter genau die Fugen einzumessen ...

Festung Rosenberg, Kronach
3. ist nicht nur eine Kletterausrüstung nötig ...

4. sondern auch gute Nerven!!!



e) September 2003:

Vorbilder in Italien

Festung Rosenberg, Kronach
1. Stadtbefestigung, Verona.

2. Stadtbefestigung, Verona.

Festung Rosenberg, Kronach
3. Festung Da Bazzo, Florenz.

4. Festung Da Basso, Florenz.

Festung Rosenberg, Kronach
5. Mura venete, Bergamo.

6. Mura venete, Bergamo.



f) Oktober 2003 - März 2004:

Wasserstandsmessung in den Schlitzen von Bastion II

Festung Rosenberg, Kronach
1. Pegelmesser (Datalogger und Sonde).

2. Kammer mit Wasser am Ende eines Schlitzes.

Festung Rosenberg, Kronach
3. Führungsrohr wird zur Prüfung aufgebaut.

4. Führungsrohr im "dry run" Zustand.

Festung Rosenberg, Kronach
5. Montage des Rohrs in Schlitz 10, Bastion II.

6. Führungsrohr in Schlitz 10, Bastion II eingebaut.

Festung Rosenberg, Kronach
7. Pegelmesser wird installiert.

8. Messung läuft (seit dem 18. Oktober 2003).



g) 18.-19. Juni 2004:

Tagung: "Rätselhafte Wallmauern".

Tagung der Fachhochschule Neubrandenburg und der Stadt Kronach

"Rätselhafte Wallmauern - Die Wallmauern der Festung Rosenberg, Kronach im Brennpunkt wissenschaftlicher Neugier"

18./19. Juni 2004, Historisches Rathaus, Kronach


Freitag, den 18. Juni 2004

Wer baute die Wallmauern, wann und warum
Aspekte der Denkmalpflege
Die Konstruktion der Wallmauern, Stand der Forschung
Aspekte des Festungsbaus im späten 17. Jahrhundert
Probleme und Lösungen der Instandhaltung der Wallmauern


Samstag, den 19. Juni 2004

Neueste Erkenntnisse an den Wallmauern der Zitadelle Mainz
Die Schadensgeschichte der Bastion Philipp auf dem Erfurter Petersberg
Die Minen der Festung Luxemburg
Bestandsaufnahme und Sanierungskonzept der Festung Rothenberg
Das Defensionssystem in den Eskarpenmauern von Schloss Friedenstein zu Gotha



Festung Rosenberg, Kronach, Flyer der Tagung
1. Tagung "Rätselhafte

2. Wallmauern" am 18.-19. Juni 2004.



h) Juli 2005:

Mauerbohrung Bastion III

Festung Rosenberg, Kronach
1. Bohrmaschine in der Karlskassematte.

2. Ausschlagen des Bohrkerns.

Festung Rosenberg, Kronach
3. Bohrloch 01 - 5,60 m tief.

4. Bohrkerne aus Bohrloch 01.




E-Mail caston@hs-nb.de

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Letzte Änderung 24.09.2013